Startseite
  Archiv
  Kontakt
  Costa Rica
  Hintergründe
  Gästebuch
  Abonnieren
 



  Links
   Fotoalbum





http://myblog.de/jenna-in-costa-rica

Gratis bloggen bei
myblog.de





Erste Eindrücke

Buenas noches,

ich bin jetzt gerade Mal vier Tage hier in Costa Rica und habe schon unglaublich viel erlebt. Gestern war ich für ein paar Minuten im Internet und habe wirklich erfreut festgestellt, dass so viele an mich gedacht haben. Es tut mir Leid, dass ich einen Großteil der E-Mails noch nicht beantworten konnte. Mir fehlt hier einfach die Zeit, ich hoffe das ist irgendwie verständlich. Dennoch werde ich das auf jeden Fall nachholen, auch wenn ich jetzt „nur“ einen Rundbrief schreibe, um die Fragen nach dem ersten Eindruck halbwegs zu beantworten: Denn im Prinzip erscheint es mir unmöglich, das, was ich hier erleben darf in Worte zu fassen. Es ist wirklich alles anders, alles. Mir ist noch nichts begegnet, von dem ich auch nur Annäherungsweise behaupten würde es ähnle dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin.

Ich sitze momentan in meinem Zimmer und lausche den Geräuschen. Die Fremdheit beginnt bereits bei einem einfachen Fenster, das im oberen Bereich in viele kleinen Scheiben aufgeteilt ist, die sich durch einen Hebel hin- und herdrehen lassen. Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, wie ein wirklicher Verschluss dessen möglich sein könnte. Vögel gibt es hier unglaublich viele. Der Gesang lässt auf bedeutend mehr schließen, als bei uns zur schönsten Frühlingszeit. Überhaupt machen Pflanzen und Tiere auf mich einen äußerst exotischen Eindruck…

Der Flug war insgesamt weniger anstrengend, als ich angenommen hätte. Carole und ich sind uns in Frankfurt vor dem Einchecken begegnet und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Wir hatten kaum Zeit uns richtig von unseren Familien zu verabschieden. Die erste Wegstrecke nach Madrid haben wir sehr gut gemeistert. Ich musste zwar mein Handgepäck zunächst teilweise ausräumen, aber der Beamte hat seine Kollegin dann ganz schnell darauf verwiesen, dass man bei mir doch sähe, dass ich keine Terroristin sein. Schließlich saß ich schon fast im Flieger, der in wenigen Minuten zu meinem ersten Flug aufbrechen würde. Ich hatte einen Platz am Fenster und somit die Möglichkeit alles ganz genau zu beobachten. Die Zeit verging unglaublich schnell und ich habe sogar Gefallen am Fliegen gefunden. Es ist wunderschön die Welt und auch die Wolken von oben zu betrachten. In Deutschland ist noch alles geordnet, die Felder mit dem Lineal gezogen, aber als wir dann über Spanien geflogen sind… sieht auf jeden Fall sehr interessant aus: So viele Formen, Farben und Möglichkeiten.

In Madrid haben wir die Gatebezeichnung leider zunächst nicht ganz verstanden, aber wir sind auf irgendeine Art und Weise angekommen, um anschließend auf die vier Münchner und zwei Berliner zu treffen, die allesamt total sympathisch wirkten.

Anschließend hat sich unsere zweite Etappe allerdings sehr in die Länge gezogen. Ich saß Mal wieder alleine (und die Stewardess hat uns gebeten doch bitte wieder aus unseren Sitz zurückzukehren, als wir Plätze gefunden hatten, die noch frei gewesen wären, um uns nebeneinander zu setzen). Neben mir saß stattdessen ein englischer Chemielehrer, dessen gesamte Lebensgeschichte ich jetzt wohl inzwischen wahrscheinlich kenne. Größtenteils habe ich geschlafen oder mich mit dem spanischen Fernsehprogramm begnügt. Ab Madrid waren wir nur noch auf unsere Spanischkenntnisse angewiesen: Denn die scheinen bedeutend besser zu sein, als das, was das Personal auf Englisch beherrschte. Doch nach endlosem Sitzen erreichten wir alle fertig, aber auch glücklich unser Ziel. Costa Rica ist vor allem eines: grün. Überall nur grün, zumindest von oben betrachtet. Ansonsten ist es hier wahnsinnig gebirgig und es hängen anscheinend häufig Nebelschwaden vor den Bergketten. Der Flughafen entspricht ungefähr dem Bohmter Flugplatz, ja, das dürfte dem recht nahe kommen. Es ist zumindest eine große Umstellung von Madrid aus nach San José zu fliegen und dort eine Stunde anzustehen, um endlich offiziell ins Land einreisen zu dürfen.

Abgeholt wurde ich von meinen Gasteltern und Sofía. Sie haben mich sofort erkannt und erst Mal allen ganz stolz präsentiert. Sofía ist wahnsinnig anhänglich und bringt mir jetzt schon viele Wörter bei: „Mira, Jenna, un arbol.“ Die Straßenverhältnisse in Costa Rica sind miserabel. Meinem Erachten nach sind das eher Feldwege und es scheint keine (zumindest nicht für mich erkennbaren) Regeln zu geben. Jeder fährt wann und wo es ihm gefällt. Nur in der Hauptstadt gibt es Polizisten, die auf der Kreuzung den Verkehr lenken und die Straße ist nicht ganz so lebensgefährlich von Löchern geprägt. Die Gastschwester der Caroline ist mit uns mitgefahren, weil in deren Auto kein Platz mehr gewesen ist. Die Familien sind befreundet und wohnen zwei Straßen voneinander entfernt: Allerdings wird sie eine andere Schule besuchen.

Ansonsten waren in der Zwischenzeit wahrscheinlich sämtliche Freunde und Familiengehörige hier. Immer brav Küsschen links, Küsschen rechts: „Ja, ich bin Jenna, ja, ich werde ein Jahr hier wohnen, ja, die Familie ist sehr nett…“

Aber das ist sie auf jeden Fall. Sie kümmern sich alle wahnsinnig lieb um mich und ich scheine wirklich großes Glück gehabt zu haben.

Jenaro hat eine riesige Freude daran mit meinem Wörterbuch durch die Gegend zu laufen und deutsche Wörter zu lernen (abgesehen von der Aussprache hat er gestern wohl schon mehr gelernt, als ich). Sofía hat mir bestimmt eine Stunde lang Fotos gezeigt und immer auf sehr einfachem Spanisch erklärt, was darauf zu sehen sei. Aber das scheint hier üblich zu sein. Ticos lassen andere gerne an ihrem Leben teilhaben, das bedeutend gruppenorientierter ist.

Anschließend hat Marlene meine erste Mahlzeit in Costa Rica zubereitet und mir viel, sehr viel erzählt. Im Allgemeinen ist eigentlich gar nicht schwer zu verstehen, ich bekomme zumindest den Sinn meistens mit. Kleine Randbemerkung zum Essen: Flugzeugnahrung ist noch schlimmer als sein Ruf. Ich fand das Zeug einfach nur widerlich. Aber das costaricanische Essen ist hingegen wahnsinnig lecker. Meine Gastmutter war ganz beglückt, dass ich so viel gegessen habe, aber ich hatte auch wahnsinnigen Hunger. Es gab ganz anders zu bereiteten Reis und einen Salat aus Früchten, die ich allesamt noch nie gesehen habe. Von dem einen dachte ich erst, es seien Tomaten, anschließend Melonen, um dann doch wieder zu meiner Tomatenversion zurückzukehren (auf jeden Fall fremd).

Die Fotos, die ich der Familie geschickt habe, hängen hier übrigens alle am Kühlschrank und die Familie hat sich Stunden mit meinem Album und dem Buch über Deutschland auseinandergesetzt und gefragt und gefragt und gefragt…

Mein Zimmer ist relativ klein, aber das sind alle hier. Wir haben ein kleines Häuschen, orange mit rotem Dach. Das ist allerdings noch sehr harmlos, denn meine erste Assoziation zu Heredia war „Villa-Kunterbunt-Dorf“. Die Einrichtung ist allerdings spartanisch, provisorisch? In meinem Zimmer steht ein altes, offenes Eisenregal, ein Nachtschrank mit einem Radio-, Kassetten-, und CD-Spieler, ein Plastikgartenstuhl, ein Bett (welch Zufall), ein Spiegel und noch ein kleines Regal mit einem Fernseher, der sogar deutsche Programme empfängt. Ich finde das durchaus in Ordnung und habe bereits eure Karten aufgehängt und Fotos aufgestellt, aber es in keiner Art und Weise mit dem deutschen Standard zu vergleichen.

Die Luftverhältnisse finde ich übrigens überhaupt nicht schlimm – auch wenn das überall behauptet wird. Als wir angekommen sind hat es so stark geregnet, als dass man in Deutschland von einem wahnsinnigen Unwetter sprechen würde, aber hier ist eben Regenzeit und es hat dann auch schnell wieder aufgehört. Die Luft gefällt mir auf jeden Fall sehr.

Am Montag war ich mit Marlene in der Stadt, um einige Artikel für den Schulbesuch zu erwerben. Wir sind mit dem Bus gefahren. Ein Abenteuer für sich, weil es kein (Mal wieder zumindest für mich erkennbares) Bushaltestellensystem zu geben scheint. Er hält einfach „irgendwo“. Zunächst waren wir bei der Bank und mein Geld in die Landeswährung Colon zu wechseln. Wenn man mit Dollar bezahlt gilt man als Tourist und die Ladeninhaber verlangen häufig höhere Preise, weil sich die Umrechnung schwer kontrollieren lässt. Auch für mich ist es schwer zu erkennen, was wie viel kostet. Außerdem sind die Preise absolut anders. Man sagt, dass 500 Colon ungefähr ein Dollar seien: der Preis günstiger T-Shirts. Wir standen ungefähr eine ¾ Stunde in der Schlange um endlich bedient zu werden. Angeblich sei das normal. Die Sicherheitsvorkehrungen sind gigantisch: Taschen werden im Schließfach zurückgelassen und anschließend hat man eine Kontrolle, die der des Flughafens ähnelt, zu durchlaufen. Ich musst dem Wachpersonal, das dort ausreichend vertreten ist, sogar meinen Personalausweis zeigen.

Anschließend waren wir in einem Schuhgeschäft, um Schuhe für die Schule zu erwerben. Es gibt drei verschiedene Modelle und alle sind schwarz. Ich musste leider das auswählen, welches mir am wenigsten gefiel, weil alle anderen nur bis Größe 38 gehen: Und das ist definitiv zu klein. Irgendwie fühle ich mich hier sowieso riesig. Ich habe noch nicht einen Tico getroffen, der größer ist, als ich. Der Durchschnitt ist ganz zwei Köpfe kleiner und selbst die anderen Deutschen erreichen nicht meine Größe. Die Schuhverkäuferin wäre beinahe an ihrer schweren Aufgabe verzweifelt…

Dann haben wir Socken erworben, noch solch ein Drama. Die waren alle viel zu eng. Es sind lange, blaue Kniestrümpfe, die ich zu den Schuhen und der Uniform tragen muss. Des Weiteren scheint der Bedarf an Schulartikel ausschließlich aus einem blockähnlichen Heft zu bestehen. Soweit ich es verstanden habe brauche ich eines für alle Fächer im naturwissenschaftlichen und eines für alles im sprachlich-, gesellschaftlichen Bereich. Sofía hat mir ihre Sachen schon ausführlich gezeigt und war regelrecht enttäuscht, als ich ihr meinen Erwerb gezeigt habe. Ticos sind äußerst „kitsch-verliebt“. Es grenzt wirklich an peinlich, bzw. ist teilweise peinlich, was die so „bonito“ finden. Ich habe dennoch ein schlichtes Exemplar erworben, obwohl die Schüler sich hier sehr über solche Dinge zu identifizieren scheinen. Vielleicht ein Nebenaspekt der Schuluniform? Heute fahren wir übrigens zur Schule, zum einem um die Uniform zu kaufen (hoffentlich in meiner Größe) und zum anderen hat die Direktorin zugesagt mir alles zu zeigen. Ich habe Laura gefragt, weshalb ich nicht zum Colegio Mario Vindas, das nicht weit von hier entfernt ist, gehen würde. Sie meinte, dass sie dort zwar angefragt hätten, aber das Kollegium strikt dagegen gewesen sei.

Das Wetter ist sehr eigenartig. Die Sonne ist plötzlich da, obwohl es zuvor ganz dunkel gewesen ist und anschließend wird es ziemlich heiß – obwohl meine Familie behauptet, dass sei für ihre Verhältnisse ein kalter Tag gewesen. Nachmittags fängt es meistens so gegen drei Uhr plötzlich an zu regnen, obwohl es keine Vorzeichen dafür gab. Das ist dann einziger Vorhang und das Wasser steht wirklich Zentimeter hoch. Ich habe in Deutschland noch nie einen solch starken Regen erlebt – und hier sei das natürlich angeblich wieder absolut normal und im Vergleich relativ wenig. Im Prinzip nimmt hat hier jeder immer und überall einen Regenschirm bei sich.

Das Vorurteil des typischen „Macho-Verhaltens“ kann ich übrigens nur bestätigen – aber sobald ein romantisches Lied im Radio gespielt wird, fängt der gesamte Umkreis an mitzusingen. Sehr eigenartig zu beobachten, wenn plötzlich der gesamte Straßenverkehr stillsteht und alle „Quiero te“ gröhlen (denn anders lässt sich das nicht definieren).

Das Wochenende werde ich in Alajuela verbringen. Unsere Betreuerin hat uns zu einer Vulkan-Expedition eingeladen – ich bin jetzt schon ganz gespannt. Und am Montag ist mein erster Schultag: Gestern war ich bereits dort, um offiziell angenommen zu werden und die Schuluniform abzuholen.

Bitte denkt nicht, dass ich bewusst positiv schreiben würde und es mir schlecht ginge. Es ist hier wirklich wunderschön und mir ist noch nichts begegnet, was ich wirklich unaushaltbar schlecht finde. Die anderen Austauschschüler scheinen das zwar nicht ganz so zu sehen, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich denke ich an euch, an Zuhause, aber so wirklich Heimweh habe ich nicht. Im Prinzip habe ich auch keine Zeit nachzudenken. Es passiert immer irgendetwas… und entgegen aller Erwartungen macht mir das auch gar nichts aus. Ich bin trotz der Anstrengungen (Flug etc.) körperlich absolut topfit. Also alles in allem: Mir geht es hier wirklich gut und ich bin wirklich froh hier sein zu dürfen.

Über E-Mails freue ich mich natürlich immer und antworten werde ich auf jeden Fall auch (irgendwann)…

Jenna
20.7.06 22:19
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung