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Das Prestigeobjekt....

Pura vida,
„Hast du eigentlich gar keine Angst?“, stand auf dem kleinem, schnell herausgerissenen Zettel, der zwischen meinen Englischutensilien auf dem Tisch lag. Die Verfasserin indes sah mich fragend an. Angst wovor? Ich malte mir aus ihr ganz überzeugt zu antworten, dass ich selbstverständlich keine Befürchtungen habe. Allein die Vorstellung erschien mir dann allerdings doch derartig verrückt, als dass ich lachen musste – wofür ich einen ebenfalls fragenden Blick von der anderen Seite bekam. Natürlich habe ich Angst, wie kann man nur so oberflächliche Fragen stellen?!? Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht darüber nachdenke, welchen Hindernissen ich begegnen könnte, welche Schwierigkeiten ich wohl zu überwinden haben werde. Ich habe versucht ihr auf begrenztem Platz zu erklären, was es bedeutet Austauschschüler zu sein. Ich war ehrlicher und offener, als ich es eigentlich hätte sein wollen, habe eingestanden, dass ich manchmal am liebsten weinen würde, es hin und wieder sogar tue. Ihre Reaktion drückte pures Unverständnis aus: ,,Ich an deiner Stelle würde mich freuen. Das ist ja so geil!“. Ich freue mich doch, oder? Ist das denn wirklich ein Widerspruch? Dürfen die zwei Seiten nicht nebeneinander existieren und sich immer intensiver in mein Bewusstsein drängen? Aber inzwischen glaube ich, dass die meisten solche Probleme gar nicht hören wollen. Sie geben sich mit ein paar oberflächlichen Angaben, wie z.B. den Temperaturen in „meinem“ Land zufrieden, drücken in ein paar Sätzen „Neid“ aus um anschließend so schnell, wie möglich, das Thema zu wechseln.

Ich war bisher der Überzeugung, dass es auf der Seite der Austauschschüler anders aussehen müsse, aber falls ich jemals solche Aussagen getätigt haben sollte, ziehe ich sie hiermit zurück. Ich habe das letzte Wochenende mit meinen Eltern in Dortmund verbracht. Meine Organisation hat uns zu einer (verpflichtenden) Orientierungsveranstaltung eingeladen. Ich hatte mir von diesem Aufenthalt mehr versprochen. Letztendlich habe ich nichts erfahren, was ich vorher nicht sowieso schon gewusst habe oder mir zumindest selbst hätte erschließen können – zumal die regelmäßigen Rundbriefe relativ viele Informationen bereitstellen. Allerdings hatte ich den Eindruck in dieser Hinsicht irgendwie privilegiert zu sein. Die meisten, denen ich dort begegnet bin, hatten kaum eine Vorstellung davon, was sie in ihrem Gastland erwarten würde. Es wurde Dinge gefragt, die man uns bestimmt schon drei Mal mitgeteilt hatte. Ich war regelrecht schockiert. So viel zum Thema eigenverantwortliches Recherchieren und eigenständige Vorbereitung… Wenn da tatsächlich Personen behaupten Sie hätten sich bei ,,AFU“ beworben, in Brasilien spräche man Spanisch und mir dann auch noch vorhalten, ich würde nur nach Costa Rica gehen, weil ich sonst keinen Platz abbekommen hätte, gefällt mir das nicht so wirklich. Ich versuchte vorsichtig zu korrigieren und zu erklären, weshalb ich ganz gezielt gerade dieses Land ausgewählt habe. Das Gespräch dauerte nicht länger als drei Minuten an, beide Seiten schienen kein Interesse an der Fortsetzung zu haben. Der Herr stand also auf und verließ mich mit den abfälligen Worten: „Ein paar Verrückte muss es auf der Welt eben auch geben. Länger als zwei Monate hältst du es da sowieso nicht aus!“, und gesellte sich zu einem anderen Elternpaar, um ihnen die wunderbaren Vorteile des Privatinternats seines Sohnes zu unterbreiten. Ein Austauschjahr als Prestigeobjekt?!?

Immerhin bin ich jetzt stolze Besitzerin eines wunderschönen T-Shirts. Der Schriftzug „… und Tschüß“ hat mir teilweise bereits sehr interessante Kommentare beschert.
Meine Spanischkenntnisse werden immer umfangreicher. Meine neuste Erkenntnis: Vokabellernen macht Spaß! Nein, ich bin nicht verrückt – ich male mir nur die Situationen aus, in denen ich die erlernten Wörter anwenden könnte. Mein imaginärer Fragebogen, den meine Gastfamilie in den ersten Tag über sich ergehen lassen muss, wird immer ausführlicher und es kommt tatsächlich vor, dass ich hin und wieder versuche mit mir selbst Spanisch zu sprechen. Dennoch fühle ich mich noch immer in meinen Kommunikationsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Wie sehr ich die Sprache vermissen werde!
Muchas gracias

20.5.06 17:54
 


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