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Zweifeln erlaubt...

Buenas tardes, ¿Qué tal?
Es ist kaum einen Tag her, dass ich den letzten Eintrag in mein Weblog geschrieben habe – und doch kommt es mir vor, wie eine halbe Ewigkeit. Ich stand heute lange Zeit in der Zimmertür meines Bruders. Einfach nur so… Ich lief mit meiner Kamera durch unsere Wohnung, versuchte möglichst ungewöhnliche Aufnahmen unseres ganz normalen Lebens zu erzielen. Es sind tatsächlich ein paar Bilder dabei, die mir gefallen. Ungewöhnlich für meine Verhältnisse. Doch ist es gut Fotos zu betrachten, welche letztendlich doch nur zu deprimieren vermögen? Ich kann die momentanen Zustände sowieso nicht konservieren. Wenn ich zurückkehre, wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Meine Familie wird mich in ganz anderen Räumen erwarten, ich werde mich erst daran gewöhnen müssen. Auch meine kleinen Brüder werden Entwicklung durchlebt haben. Die Perfektionisierung der Sprache Thilos werde ich nicht miterleben können. Finja und Winnie werden von jemand anderem geritten und versorgt werden. Ob Pferde wohl ein Gedächtnis haben? Eine Fragestellung, die von vielen als uninteressant definiert werden würde, aber doch eine derer, über die ich heute nachgedacht habe. Und dann frage ich mich, weshalb ich überhaupt weggehen wollte. Nein, weshalb ich überhaupt weggehen will! Ich war richtig gut gelaunt, als am 17. September das Bewerbungsgespräch hinter mir lag. Mir war natürlich bewusst, dass es kein leichtes Jahr werden würde. Ich bin nicht dort, um Urlaub zu machen. Ich werde in einer mir zunächst fremden Familie leben müssen und in einer Sprache kommunizieren, in der mein Wortschatz zu diesem Zeitpunkt vielleicht auf zehn Wörter beschränkt war. Außerdem gehöre ich bestimmt zu der Sorte Mensch, die es fertig bringt, sämtliche kulturelle Fettnäpfchen auszuprobieren. Um mich kurz zu fassen: Ich habe mich ganz bewusst und nicht aufgrund eines Anfluges von Euphorie dazu entschlossen.
Ich habe inzwischen mit vielen anderen (zukünftigen) Austauschschülern gesprochen. Zunächst fällt selbstverständlich immer der Aspekt des Lernens einer anderen Sprache. Häufig geht es auch einfach nur um die Tatsache nicht Zuhause sein zu müssen und eine interessante Zeit verbringen zu wollen. Oh, ich vergaß: Den Führerschein möchte man am liebsten auch noch im Ausland erwerben. Vielleicht gibt es auch noch die eine oder andere Mutter, welche der Überzeugung ist, ihrem Kind dadurch berufliche Perspektiven zu ermöglichen. Soll das etwa alles gewesen sein? Viel zu kurz gegriffen, viel zu kurz…
Selbstverständlich durchaus nette Nebeneffekte, doch mit meinen Vorstellungen haben sie wenig gemeinsam. Ich möchte lernen, ganz viel lernen – und zwar nicht in der Variante, welche in der Schule verlangt wird – ich möchte lernen, wie man lebt.
Ganz oben auf meiner Liste steht das Kofferpacken. Ich frage mich jetzt schon, wie ich bloß mit den 20 kg hinkommen soll. Eine lächerliche Banalität, die mich selbst gerade zum Schmunzeln bringt. Ich werde eine neue Familie und eine neue Heimat kennen lernen und dadurch erfahren, wie es wirklich ist, mein lieb gewonnenes Zuhause zurückzulassen und an einen unbekannten Ort zu fliegen. Alles, was ich bisher für selbstverständlich gehalten habe, wird neu definiert. Ich werde plötzlich neue Freiräume entdecken – und auch neue Grenzen. Eine Erfahrung, die ich unbedingt (er)leben möchte. Egal, wie anstrengend sie auch sein mag, einzigartig und kostbar wird sie immer sein! Vielleicht werde ich auch neue Freundschaften und Ansichten mitnehmen dürfen, von deren Existenz ich sonst nie erfahren hätte. Zwei ganz verschiedene Welten, in denen ich gleichzeitig leben darf, die ich mein eigen nennen kann. Wer hat schon diese wunderbare Möglichkeit und Chance? Ein Austauschjahr bedeutet für mich so viel. Man lernt zu geben und zu nehmen, viele Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, dankbar zu sein, den eigenen Gefühlen zu vertrauen, zu lachen und auch zu weinen. Man lernt, wer man wirklich ist, was einem wichtig ist und in welche Richtung man gehen möchte.
Und plötzlich sind alle Zweifel beiseite geschoben. Ich bin mir wieder sicher, dass ein Austauschjahr meine Persönlichkeit nur positiv beeinflussen kann und die verbleibenden zwei Monate und zwei Wochen in Deutschland genau der richtige Zeitraum sind. Ich könnte die Welt umarmen ^^
30.4.06 17:05
 


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