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Es Costa Rica....

¡Buenas noches!

Nachdem ich vom Wochenendausflug an den Strand nach Tortuguero zurückgekehrt bin und inzwischen bereits wieder die Dämmerung einsetzt, finde ich jetzt noch etwas Zeit für einen weiteren kurzen Rundbrief. Das tägliche Leben kommt hier aufgrund der frühen Dunkelheit bereits um sechs Uhr zur Ruhe. Ein Großteil der Geschäfte ist geschlossen und es wird in bestimmten Gegenden gefährlich sich alleine fortzubewegen. Aufgrund dessen ist übrigens meine Mitaustauschschülerin vor einer Woche wieder in die Staaten zurückgekehrt und hat mich hier ganz alleine zurückgelassen… eine Messerbedrohung ist zwar ein schockierendes Erlebnis, während meiner Anwesenheit wurde bereits bei vielen Bekannten eingebrochen und auch ich habe bereits Erfahrungen sammeln müssen – aber ich finde es wirklich schade, dass solche Ereignisse die Schönheit dieses Landes überdecken können. Im letzten Rundbrief war das leider nicht so ersichtlich, weil ich versehentlich einen Abschnitt gelöscht habe, der das Verständnis ermöglicht hätte. Somit möchte ich all diejenigen beruhigen, die noch immer glauben zwischenzeitliche Mitteilungen nicht erhalten zu haben:

Während meines Aufenthaltes in Mansanillo haben eine andere Austauschschülerin, unsere costaricanische Betreuerin und ich (mit dem Vorhaben einige Fotografien der Umgebung aufzunehmen) eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt in der Nähe des Strandes unternommen. Da ein zwischenzeitlicher Aufenthalt im Wasser gänzlich unverantwortlich ist, sind wir früh aufgebrochen und haben die Menschenleere genossen. Als unsere Begleiterin auf die umliegenden Muscheln aufmerksam machte, legten wir unsere Taschen ab und wendeten uns begeistert ihren Fundstücken zu. Doch diese fotografisch festzuhalten war nicht mehr möglich – trotz der Tatsache, dass wir wirklich niemanden in der Nähe hatten beobachten können und unserem frühen, ausschließlich diesem Anlass dienendem Aufbrechens. Vorwürfe sind im Nachhinein natürlich, aber ich bin hier inzwischen wirklich zu einer sehr achtsamen und vorsichtigen Person geworden, die wahrscheinlich auch in Deutschland einen ausgeprägten „Sicherheitstick“ beibehalten wird.

Und um noch einmal den erhaltenen Abschnitt der letzten E-Mail zu zitieren:

„…aber wahrscheinlich gehört es einfach dazu einen Diebstahl erleben zu müssen. Denn andererseits war es auch ganz lustig im Nachhinein in einer Polizeistation ohne Fenster, direkt am Wasser, mit dem Polizisten über seinen handgeschriebenen Bericht zu diskutieren (eine Stunde für ein paar Zeilen).“ Frei nach dem costaricanischem Lebensmotto: „Tranquila, es pura vida.“

Immer wieder werde ich danach gefragt, wie denn eine typische Mahlzeit dieses Landes aussehen würde. Deshalb möchte ich noch einmal genauer darauf eingehen; die einfache Antwort lautet: Reis, Reis, Reis und noch einmal Reis. Die costaricanische Küche ist eher einfach und schmackhaft kräftig, als reich an Variationen und Raffinesse. Weiterhin sind selbstverständlich Bohnen als Hauptnahrungsmittel zu erwähnen. Das sind auch die Zutaten für das Nationalgericht „casado“, was so viel bedeutet wie „verheiratet“ (auch wenn ich bis jetzt noch nicht ganz verstanden habe, wo dort der Zusammenhang liegt). Der Reis und die gebratenen, schwarzen Bohnen werden je nachdem mit Rührei, Mantequilla (in diesem Fall Sauerrahm), Plátanos (sind meines Wissens nach Kochbananen, die anderen heißen bananos), Salat und ganz selten auch äußerst knorpeligem Fleisch ergänzt. Ein wenig Abwechslung scheinen selbst Ticos dann doch noch vorzuziehen… An der Karibikküste findet man auch häufig „Rice & Bean“, das durch die Zugabe von Kokosnuss geprägt ist.

Ähnlich sieht das Frühstück „gallo pinto“ aus – wie ich das deutsche Brot doch vermisse: Wiederum eine Mischung aus Reis und schwarzen Bohnen, die in der Pfanne gebraten werden und durch Mantequilla und Tortillas ergänzt werden können. Tortillas sind hier allgemein sehr beliebt und in kleinen Plastikbeuteln zum Aufwärmen in der Mikrowelle zu erwerben. Aber eine Übersetzung fällt mir schwer: Vielleicht runde Maismehlfladen mit etwa 15 cm Durchmesser? Es kommt auch öfters vor, dass Ticos den ganzen Tag über ausschließlich Tortillas mit „Queso Crema“ (einer Art Schmierkäse) zu sich nehmen, weil es ansonsten kein anderes Essen im Haus gibt. Vorausschauendes Einkaufen gehört nicht unbedingt zur Stärke von einem Großteil der Menschen, die ich inzwischen kennen gelernt habe – die Kühlschränke sind fast immer leer.

Aufgrund der Lage zwischen den beiden Ozeanen sind natürlich auch Fisch und Meeresfrüchte nicht zu vergessen und den erstaunlichen Obstverzehr habe ich bereits in den ersten Tagen meines Aufenthaltes beschrieben. Ich persönlich mag besonders gerne die diversen Gemüsegerichte: Yucca (mir fällt kein wirklicher Vergleich ein, schmeckt vielleicht ein wenig wie Kartoffeln), Karotten, Kürbis, Zucchini, Maniokwurzeln, Paprika (die hier niemand roh zu essen scheint) und natürlich auch Kartoffeln (aber niemals so zubereitet, wie es in Deutschland der Fall ist). Häufig wird in diesem Zusammenhang auch mit enormer Schärfe gearbeitet. Dabei sieht man das dem in Essig eingelegten Gemüse häufig gar nicht an… vor allem um „ceviche“ machen ich inzwischen einen großen Bogen. Es handelt sich dabei um rohen Fisch, der mit Limonen, Zwiebeln und Koriander gewürzt wurde.

Häufig serviert werden auch „plátanos fritos“ (gebratene Kochbananen), pollo asado (scharf gewürztes Hühnchen), sopa negra (dunkle Wasserpansche mit ein paar Bohnen und Eistücken), „olla de carne“ (Eintopf aus dem, was gerade zu Verfügung steht, häufig Fleisch, Hühnchen, Yucca und anderes Gemüse), „frijoles refritos“ (Bohnenbrei), gewürzte Avocados und in Limón auch „pan bon“ (Gewürzbrot mit Früchten).

Ticos kaufen kaum Getränke ein, wie es in Deutschland üblich ist. Deshalb wird zu den Mahlzeiten viel Leitungswasser getrunken, das nahezu nur aus Chlor zu bestehen scheint und in abgelegenen Gebieten gewiss nicht den deutschen Vorschriften entspricht. Die selbst gemachten Frescos aus z.B. Ananas, Mangos und Sternfrüchten schätze ich deshalb besonders. Außerdem sind auch Kakao und das so genannte „agua dulce“ äußerst beliebt, es handelt sich hierbei um heißes Wasser mit ein wenig Milch und braunem Rohrzucker. Im Vergleich mit dem Kaffe hier würde übrigens die Brühe, die wir gewöhnt sind, sehr, sehr schlecht abschneiden. Schokolade gehört zu meiner großen Verärgerung leider eher zu den Luxusgütern. Hin und wieder werden auch importierte Nudeln und Pizzen (letztere eigentlich nur in den Fast-Food-Ketten in „größeren“ Städten) serviert – aber allgemein ist das Angebot äußerst eingeschränkt, wie aus dem etwas längerem Abschnitt hoffentlich ersichtlich wurde.

Auch bin ich noch immer nicht wirklich auf meinen neuen Wohnort eingegangen. Ich lebe in einem Stadtteil von Heredia, das Teil der zentralen Hochebene ist und nur 12 Kilometer von der Hauptstadt San José entfernt liegt. Dennoch ist Heredia äußerst selbstständig und auf gar keinen Fall als kleine Vorstadt zu betrachten. Es ist bei etwa 1100 Metern Höhe gebirgig und beherbergt angeblich um die 75.000 Einwohner. Plakate werben für die „Ciudad de las flores“, aber ich vermisse hier manchmal die grüne Vielfalt des Landes. Der Grundriss ist streng kolonial und verleitet mich immer wieder zum Gedanken der „Karo-Schulblock-Planung“. Andererseits ist es mir dafür bisher noch nicht wirklich gelungen mich zu verlaufen… eine leichte Orientierung ermöglichen vor allem die drei Pärke, die diesen Titel eigentlich gar nicht verdienen. Es handelt sich hierbei um Rasenflächen mit diagonalen Teerwegen und pflegeleichten, beschmierten Betonbänken; und dennoch lieben Ticos ihre Pärke und finden sich abends häufig im „Parque Central“ ein, um der Musik zu lauschen und den traditionellen Tänzen zu folgen. Die Atmosphäre der Stadt wird vor allem durch ihre Studenten geprägt, denn östlich des Zentrums liegt die „Universidad National de Costa Rica“. In diesem Land studiert nahezu jeder, doch nur wenige schaffen die Aufnahme an einer der kostenfreien staatlichen Universitäten. Ich mag Heredia wirklich sehr, denn die zentrale Lage ermöglicht viele Ausflüge und auch das Stadtleben hat seine Vorteile (auch wenn ich manches sehr vermisse). Doch aufregen könnte ich mich vor allem über den herumliegenden Müll. Recycling und Trennung scheinen hier sowieso regelrecht Fremdwörter zu sein - da mangelt es nicht nur an einer Biotonne (Insider). Familien sammeln ihre Abfälle in Einkaufsplastiktüten und gerade weil auch gebrauchtes Klopapier dazugehört sind die Straßengerüche an Abfuhrtagen nicht gerade angenehm. Aber zurück zu Heredia, denn hierbei handelt es sich um ein leider ganz Costa Rica betreffendes Problem… die Stadt ist eigentlich recht unspektakulär und es gibt wenig Sehenswürdigkeiten. Die Häuser sind höchstens zweigeschossig und in den ungewöhnlichsten Farben gestrichen. Besonders rosa scheint beliebt zu sein, aber ich habe auch schon gelbe, orange, hellgrüne und hellblaue Wände gesehen. Am interessantesten finde ich das Festungsgebäude „El Fortin“, auf meinem Schulweg amüsiere ich mich immer über den Wachturm mit den umgekehrten Schießscharten (so viel zum Thema Verteidigung, pero tanquila). Außerdem prägen aufwendig gestaltete Kirchen das Stadtbild und im „Casa de la Cultura“ werden hin und wieder schlecht besuchte Theaterstücke aufgeführt.

Ticos haben zum Großteil für Kultur kein sonderliches Interesse. Wie man nur ein Bücherregal in seiner Wohnung haben kann, ist für die meisten sogar gänzlich unverständlich. Trotz der Musikleidenschaft und eines faszinierenden Rhythmusgefühls sind nur wenige in der Lage in Deutschland typische Instrumente zu spielen. Dennoch finden sich einige, die sich mit dem selbstständigen Erwerb des Gitarrenspiels erwerben. Für Jugendliche gibt es hier eigentlich gar keine Angebote (Sportvereine, Kirchenorganisationen, Volkshochschulen etc.) und die Freiheiten für gemeinsame Unternehmungen mit Amigos werden durch die Eltern sehr begrenzt. Stattdessen wird überdurchschnittlich viel und laut ferngesehen.

Wie bereits oben erwähnt habe ich das Wochenende im Nationalpark Tortuguero verbracht. Der Ort an der Karibikküste ist nur über das Fluss- und Kanalsystem zu erreichen, weshalb wir nach der Busfahrt mit unserem Gepäck in ein kleines Motorboot wechseln mussten. Allein die Anreise ist ein Erlebnis für sich. Natürlich kann ich mich um eine Beschreibung bemühen und doch glaube ich, dass es unmöglich ist das Wahrgenommene nachzuvollziehen und sich vorzustellen. Die wunderschönen Bilder aus dem Fernsehen gibt es wirklich und in solchen Momenten denke ich plötzlich: „Jenna, DU bist hier in Costa Rica“. Es ist unglaublich durch das tiefgrüne Wasser zu gleiten, vorbei an den Palmen und Mangroven, den ins Wasser hängenden Blättern und Lianen… das Sonnenlicht bricht durchs Blätterdach und man ist umgeben von der feucht-heißen Luft und den Geräuschen des Urwald, während man mit ein wenig Glück von Krokodilen, Affen, Ibissen und Papageien begleitet wird.

In der Nacht hatten wir die Möglichkeit am Strand Schildkröten bei der Eiablage zu beobachten. Daher hat der Ort auch seinen Namen „Tortuga“ ist das spanische Wort. Die trächtigen Weibchen kriechen im Mondlicht den Strand hinauf und vergraben anschließend ihre Eier. Trotz der schlichten Schilderung ebenfalls ergreifend ^^

Auch unser Lagerfeuer am Strand unter einem wunderschönen, dichten Sternenhimmel wird sich niemand wirklich vorstellen können… das Rauschen der Wellen, die Leere, selbst gemixtes „Pipa Colada“. Die jungen Kokosnüsse heißen „Pipas“ und sind ein beliebtes Getränk, das weichere Fleisch wird häufig einfach weggeworfen. Gemixt mit Rum und Sirup, außerdem stilecht aus der mit einer Manschette geöffneten Nuss getrunken wirklich lecker (zumal eigene Erfindung, da in den Bars nur „Piña Colada“ (Piña = Ananas) angeboten wird). Während wir mit einem Stock versucht habe die Pipas zu ernten haben wir sogar einen großen Leguan beobachten können, der es sich dort gemütlich gemacht hat. So etwas ist nur in Costa Rica möglich und auf gar keinen Fall mit Zoobesuchen zu vergleichen. Dafür liebe ich dieses Land, für seine Fröhlichkeit… ja, Costa Rica ist für mich inzwischen wirklich pura vida. ¡Sunshine-Reggaeton con just a little smile! Auch die Wärme fühlt sich hier nebenbei aufgrund der Luftfeuchtigkeit bedeutend heißer an, zumal wir momentan auf dem Höhepunkt der Regenzeit sind und es fast jeden Tag regnet.

Das Gebiet um Heredia ist durch den Kaffee-Anbau geprägt, doch vor allem Grün und Blau beeinflussen das Bild der Landschaft. Das Grün der Bananenstauden und das Blau der über die reifenden Früchte gehängten Plastiktüten. Scherzhaft wird Costa Rica manchmal auch „Bananenrepublik“ genannt, denn denen verdankt es seine Unabhängigkeit.

Am 15. September war hier übrigens der „Día de Independencia“. Die Bevölkerung feiert den Tag mit großen Umzügen der Colegios und Escuelas durch die Straßen. Es werden Tänze aufgeführt, Fahnen getragen und Trommeln gespielt. Das ganze Land ist auf den Beinen, niemand bleibt Zuhause und lässt sich das bunte Treiben entgehen. Auch der vorabendliche Laternenumzug fand außergewöhnlich viele Teilnehmer. Ticos sind stolz auf ihr Land und zeigen das auch. Fahnen prägen Hauseingänge, Postannahmestelle, Supermärkte und Schulen den gesamten Monat. Europa wird von hier aus nicht in seinen einzelnen Ländern wahrgenommen, sondern ausschließlich als ganzes. Ich bin hier schon fast zur stolzen Europäerin geworden. Zumal die Erfahrungen mit diesem Kontinent nahezu ausschließlich positiv sind, während die Ticos den „Gringos“ (Amerikanern) gegenüber eher eine gewisse Hassliebe empfinden. Sie sind wirtschaftlich auf sie angewiesen und können sich deshalb trotz einer gewissen (ich weiß das Wort passt nicht) Kolonialisierung, die heute immer noch stattfindet, nicht lösen. Andererseits nehme selbst ich das Verhalten der Touristen in diesem Land größtenteils als absolut unpassend wahr und die angebliche Modernisierung und Bereicherung ist nicht immer ein Segen. Eine schwierige Situation, wenn die Ticos nicht weiter hassend (aber sich der Bedeutung des Geldes bewusst) schweigen… aber ich will hier keine politische Analyse aufstellen.

Stattdessen verabschiede ich mich jetzt und weise noch einmal darauf hin, dass ich mich über jegliche E-Mail wirklich immer sehr freue

Jenna
4.10.06 03:04





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